Messen, bewerten, besser werden

Eine grenzübergreifende Initiative zur Verbesserung der Pflegequalität und Betreuung alter Menschen

Kooperation statt Konkurrenz

Die Qualität von Pflege und Betreuung in der Altenhilfe muss gesichert, weiterentwickelt und nachvollziehbar dokumentierbar sein, damit Kunden und Kostenträger die Leistungen verschiedener Anbieter – auch über Grenzen hinweg – vergleichen können. Die mangelnde Vergleichbarkeit der angebotenen Leistung ist ein Grund dafür, dass die Grenzen im euregionalen Raum für den sozialen Dienstleistungsbereich noch so gut wie geschlossen sind. Das beschneidet Kunden in ihren Wahlmöglichkeiten und bedroht die Innovationsfähigkeit der Anbieter im unmittelbaren Grenzgebiet auf beiden Seiten.

In dem Bewusstsein, dass sie sich in naher Zukunft als Konkurrenten gegenüberstehen werden, haben die Zorgroep Noord Limburg und die Altenheime GmbH der Sozialholding Mönchengladbach einen Weg gesucht, diese Konkurrenzsituation konstruktiv zu nutzen und gemeinsam nach Kooperationsmöglichkeiten im euregionalen Raum zu suchen.

Die Projektidee

Für Einrichtungen der Altenhilfe stellen sich auch in Zukunft zwei wesentliche Aufgaben:

  • Die professionelle Pflege ist inhaltlich weiterzuentwickeln, um den sich ändernden Bedürfnissen der alten Menschen gerecht zu werden.
  • Das betriebswirtschaftliche Überleben und damit der Erhalt der Arbeitsplätze in Altenheimen muss auch zukünftig gesichert werden.

Das Management stationärer Altenpflegeeinrichtungen muss somit in die Lage versetzt werden, strategisch vorausschauend auf sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen zu reagieren, um am Markt zu bestehen und mit geeigneten Konzepten den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden. Dazu müssen die Kunden und Bewohner mit ihren Bedürfnissen und Erwartungen stärker als bisher einbezogen werden. Die Qualität der Dienstleistungen muss nicht nur garantiert, sondern auch kundenorientiert weiterentwickelt werden.

Bei der Sicherung und Weiterentwicklung pflegerischer Qualität sehen sich sowohl die Altenheime GmbH als auch die Zorggroep Noord Limburg als Träger von Alten- und Pflegeeinrichtungen mit folgenden Fragen konfrontiert:

  • Wie lässt sich die Qualität von Pflege messen?
  • Wie können bei einer solchen Bewertung die individuellen und sozialen Komponenten einer Pflegesituation berücksichtigt werden?
  • Wie lassen sich Wirkungszusammenhänge zwischen einzelnen pflegerischen Maßnahmen herstellen?

Auf beiden Seiten der Grenze fehlen Ergebnisindikatoren, die einen deutlichen und fachlich nachvollziehbaren Bezug zu einzelnen pflegerischen Interventionen messbar und vergleichbar machen. Dies ist u.a. ein Resultat davon, dass sich die nationalen gesetzlichen Anforderungen und Prüfkriterien zum Qualitätsmanagement in der professionellen Pflege fast ausschließlich auf Struktur- und Prozessqualität beziehen.

Das wesentliche Ziel ist deshalb die dauerhafte Implementierung einer ergebnisorientierten praktischen Arbeit in der Altenpflege. Es sollen Kriterien entwickelt werden, mit denen ein ganzheitliches »Pflegecontrolling« möglich ist: Ergebnisse werden hinsichtlich ihres Zustandekommens analysiert und die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen – praxisnah aufbereitet – in den beteiligten Unternehmen erprobt und anschließend für andere Einrichtungen nutzbar gemacht werden.

Mit Unterstützung des Interreg III A-Programms der euregio-rhein-maas-nord haben sich die Projektpartner zum Ziel gesetzt, eine solche Datenbasis zum Nachweis der Ergebnisqualität zu schaffen. Durch relevante Kennzahlen soll ein systematischer Vergleich mit anderen Einrichtungen auch vor dem Hintergrund unterschiedlicher nationaler Rahmenbedingungen erfolgen. Mit diesem Projekt soll erstmals ein systematisches und grenzübergreifendes Lernen im Bereich der stationären Altenhilfe der EUREGIO rhein-maas-nord initiiert werden, indem Ergebnis- bzw. Erfolgskriterien vereinbart und bewertet werden.

Vorgehen: Gute Praxis und Balanced Scorecard

Durch den Austausch über »gute Praxis« soll die Basis für zukünftige gemeinsame Anstrengung zur Optimierung der Versorgungsqualität alter Menschen im Grenzgebiet geschaffen bzw. intensiviert werden. Dadurch sollen ausbaufähige Netzwerke entstehen, aus denen sich perspektivisch grenzüberschreitende Schulungs- und Beschäftigungsangebote entwickeln können. Hierzu bedarf es der ressourcengerechten Entwicklung und Anwendung moderner Instrumente zur Unternehmenssteuerung wie Qualitätszirkel, Senior-Care-Teams, etc.

Ein wesentliches Produkt des Projektes wird daher ein Muster einer Balanced Scorecard (BSC) sein, die den beteiligten Einrichtungen als Orientierung für die Entwicklung eigener Ergebnis- und Zielgrößen dient. Dabei wird auf die Erfahrungen in der Entwicklung und Etablierung von Balanced Scorecards in einer Vielzahl von Branchen und Bereichen (nicht nur) der Sozialwirtschaft zurückgegriffen.

Die Projektpartner

Das auf drei Jahre angelegte Modellvorhaben wird von der euregio rhein-maas-noord im Rahmen des Interreg III A-Programms finanziell gefördert.

  • Die gemeinnützige Altenheime der Stadt Mönchengladbach GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach GmbH.
  • Die Zorggroep Noord-Limburg ist eine Dienstleistungsorganisation für die Versorgung und Pflege vor allem älterer Menschen.
  • Das Institut Arbeit und Technik (IAT) hat als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Fachhochschule Gelsenkirchen die Aufgabe, Entwicklungen zur Unterstützung des Strukturwandels voranzutreiben und zu erproben.
  • Seit einigen Jahren kooperiert das Institut Arbeit und Technik mit weiteren Unternehmen im Sozial- und Seniorenwirtschaftszentrum (SWZ) in Gelsenkirchen, u.a mit KCR – Konkret Consult Ruhr GmbH.